Arbeiten des Forschungszentrums

MUSIK.THEATER. Gegenwarts- und Zukunftsformen

Der von Rosa Eidelpes herausgegebene Band nimmt seinen Ausgangspunkt beim musikalischen Potenzial von Elfriede Jelineks Texten, ihrer Arbeit mit dem Klang bzw. der Lautlichkeit von Sprache und dem besonderen Fokus, den sie auf Musikalität legt. Jelinek schafft in ihren Theatertexten konsequent musikalische Strukturen, u.a. durch die Arbeit mit polyphonen Textflächen und der Rhythmisierung des Textmaterials. Die Grenzen zwischen Musik- und Sprechtheater sind dabei immer schon fluktuierend – womit Jelinek die Regisseur*innen ihrer Theatertexte zu musikalischen Inszenierungsformen herausfordert.

Die Beiträge dieses Bandes diskutieren die fließenden Grenzen zwischen Musik- und Sprechtheater im zeitgenössischen Bühnengeschehen sowie aktuelle Tendenzen im Musiktheater und „musikalisierten” Sprechtheater. Untersucht werden historische und gegenwärtige Formen der Verschränkungen von Theater und Musik und das Zusammenspiel zwischen Text, Musik und Szene. Angesichts von intermedialen, u.a. auch mithilfe künstlicher Intelligenz kreierten Formen, welche die herkömmlichen Grenzen zwischen Schauspiel, Performance, Videokunst und Musiktheater überschreiten, wird der Frage nachgegangen, ob nach dem Sprechtheater nun auch die Oper im Begriff ist, sich zu entgrenzen – und welche musiktheatralen Formen in der Zukunft denkbar sind.

Dabei wird auch der gesellschaftspolitischen Status des Musiktheaters erörtert: Wie und auf welche Weise interveniert die Oper in aktuelle politische Diskurse? Auf welchen Ebenen – der Musik, der Narration oder des Bühnengeschehens – kann Oper politische Anliegen adressieren, kritisieren und womöglich subvertieren? In diesem Zusammenhang rücken historische und aktuelle Formen nicht-europäischer Musiktheaterformen in den Fokus: Am Beispiel China wird der Kulturtransfer zwischen Europa und anderen musiktheatralen Traditionen diskutiert und gefragt, wie die wechselseitige (produktive) Übernahme von Ausdrucksformen aus anderen kulturellen Kontexten für eine neue, offene und egalitäre Oper fruchtbar gemacht werden kann.

Eidelpes, Rosa (Hg.): MUSIK.THEATER. Gegenwarts- und Zukunftsformen. Wien: Praesens Verlag 2025 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE. Publikationen des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums 30). (ISBN: 978-3-7069-1297-6)

Sprache & Gewalt. Multiperspektivische Zugänge

Der von Paulina Schmid-Schutti herausgegebene Band dokumentiert die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Sprache & Gewalt“, das vom Interuniversitären Forschungsnetzwerk Elfriede Jelinek der Universität Wien und der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien gestaltet wurde. Er untersucht Formen sprachlicher Marginalisierung, Unterdrückung und Ausgrenzung in zunehmend antidemokratischen Zeiten und Systemen und widmet sich der zentralen Frage, wie Sprache als Mittel der Gewalt fungiert – sei es in politischen Diskursen, gesellschaftlichen Strukturen oder digitalen Räumen.

Im Mittelpunkt steht die Verbindung von Sprache und Gewalt im Werk Elfriede Jelineks, deren Auseinandersetzung mit Mechanismen der Ausbeutung, Verdrängung und Entrechtung gerade in Zeiten von Neokonservatismus, Neoliberalismus und Rechtspopulismus von besonderer Aktualität ist.

Die Methodik des Forschungsschwerpunktes – prozesshafte Abläufe, wissenschaftlich-künstlerische Arbeitsgruppen sowie interdisziplinäre und internationale Symposien und Workshops mit dem Ziel, innovative Forschungspositionen und experimentelle Forschungsformate und -ansätze an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst voranzutreiben – bildet sich in der Struktur des Bandes ab.

Schmid-Schutti, Paulina (Hg.): Sprache & Gewalt. Multiperspektivische Zugänge. Wien: Praesens Verlag 2025 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE. Publikationen des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums 29). (ISBN: 978-3-7069-1290-7)

Elfriede Jelinek: Werk und Rezeption

Das Elfriede Jelinek-Forschungszentrum war zentral an der Erarbeitung der Publikation Elfriede Jelinek: Werk und Rezeption beteiligt, die im Dezember 2014 erschienen ist. Es handelt sich dabei um das kommentierte Gesamtverzeichnis von Elfriede Jelineks Werk (gegliedert nach Gattungen), der weltweiten Übersetzungen und Aufführungen, der Jelinek-Interviews, der Bearbeitungen der Werke durch andere, der Preise und Symposien sowie der internationalen wissenschaftlichen und medialen Auseinandersetzung (Sekundärliteratur, Rezensionen, Porträts, Radio- und TV-Sendungen, Filme). Relevante Informationen wie Abdrucke, Ausgaben, Anlässe, formale und thematische Aspekte werden kompakt und übersichtlich dargestellt.
Textausschnitte machen das Verzeichnis auch zu einem Lesebuch, das unmittelbare Einblicke in die Arbeit Elfriede Jelineks gibt.
Das Werk- und Rezeptionsverzeichnis wird laufend erweitert und auf dem neuesten Stand gehalten. Für die Zukunft ist eine Onlineversion des Verzeichnisses angedacht, die sämtliche Daten entsprechend einer Open Access Policy zugänglich machen soll. Dieses Vorhaben befindet sich derzeit in Vorbereitung.

Jelinek-Handbuch

Das Jelinek-Handbuch ist die erste umfassende Gesamtdarstellung von Elfriede Jelineks Leben, Werk und Rezeption. Es ist sowohl als Printausgabe als auch als E-Book erschienen und wurde im Zusammenwirken des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums mit dem Interuniversitären Forschungsnetzwerk Elfriede Jelinek der Universität Wien und der MUK erarbeitet
Biographische Aspekte, künstlerische Kontexte, das feministische und politische Engagement der Autorin werden ebenso behandelt wie die ästhetischen Strategien und Schreibverfahren der österreichischen Nobelpreisträgerin.
Im Zentrum stehen kompakte Darstellungen von Jelineks Werken mit grundlegenden Informationen zu Entstehung, Quellen, Intertexten, formalen und inhaltlichen Aspekten. Wichtige Themen und Diskurse in Jelineks Arbeiten – wie etwa Ökonomie, patriarchale Strukturen, Frauenbilder, Heimat, Natur oder Nationalsozialismus – werden in lexikonartigen Beiträgen analysiert.
Darüber hinaus werden die künstlerischen, theatralen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit Jelinek diskutiert und die öffentlichen Debatten und Skandale, die es in Zusammenhang mit Jelinek gab, vorgestellt.
Für die aktualisierte und erweiterte Neuauflage wurde die erste Auflage (2013) um Beiträge zu den seither erschienen Jelinek-Werken ergänzt sowie zu inhaltlichen und ästhetischen Aspekten, die sich in den letzten Jahren in Jelineks Texten verstärkt herausgebildet haben, etwa den Motiven „Flucht und Migration“, „Religion“ und „Rechtspopulismus“. Sämtliche Beiträge der 1. Auflage wurden überarbeitet und auf den aktuellen Forschungsstand gebracht. Das Handbuch vermittelt Jelineks Schaffen aus interdisziplinärer Perspektive und gibt auch einen Überblick über die aktuelle Forschungslage.