21.1.2016, 18 Uhr
Sky-Lounge der Universität Wien, 1090, Oskar-Morgenstern-Platz 1

FAKULTÄTSVORTRAG

Hans-Thies Lehmann:
Dramaturgie der Wörter
Postdramatische Poetiken bei Jelinek und anderen

veranstaltet vom Elfriede Jelinek-Forschungszentrum
und der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien
in Kooperation mit der

Forschungsplattform Elfriede Jelinek: Texte - Kontexte - Rezeption

 

Hans-Thies Lehmann
Pia Janke, Hans-Thies Lehmann

Der renommierte Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann erörterte in seinem Vortrag, dass die akademische Debatte über Wert und Begriffsinhalt der Begriffe „postdramatisch“ und „Postdramatik“ ins Leere läuft, wenn verkannt wird, dass der erste sich auf Formen des Theaters, der zweite vor allem auf Textformen bezieht. Der Vortrag argumentierte sodann, dass - soweit die gegenwärtige Textproduktion Rede steht – eine literarische Analyse verlangt ist, die Logik, Aufbau, Strukturierung des Theatertextes nicht von umfassenden äußerlichen Bestimmungen und Zuschreibungen herleitet, sondern produktionsästhetisch aus der immanenten Dynamik des Sprachmaterials und als auch dem Prozess des Schreibens. Dagegen würde eine Theaterwissenschaft, die die komplexe  Dramaturgie der Wörter vernachlässigt, die mit solcher Ausblendung erkaufte Verabsolutierung des Performativen mit einer zerstörerischen Verflachung ihres Gegenstands bezahlen.

Einladung

Hans-Thies Lehmann baute mit Andrzej Wirth Aufbau den praxisbezogenen Studiengang am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Universität Gießen und als Universitätsprofessor für Theaterwissenschaft an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main den Hauptfach-Studiengang Theater-, Film- und Medienwissenschaft auf und gründete zusätzlich den Aufbaustudiengangs „Dramaturgie“. Hans-Thies Lehmann hatte Gastprofessuren, u.a. an den Universitäten Paris III (Sorbonne Nouvelle) und der University of Virginia (USA), inne und ist Autor zahlreicher Bücher, z.B. Theater und Mythos (1991), Postdramatisches Theater (1999), Tragödie und dramatisches Theater (2013).