Elfi und Andi

 

Jelineks Text

Jelinek schrieb für Elfi und Andizwei Monologe, die dann auch Teil ihres Theatertextes Ein Sportstück (1998) wurden.

Textfassung und Komposition 

Olga Neuwirth (1997) 

Musikalische Besetzung

Sprecher, Saxophon, Bassklarinette, E-Gitarre, Kontrabass und CD-Zuspielung (CD 1: Sprache, CD 2: Sound, Stimme: Marianne Hoppe).

Aufführungen

UA | 26.4.1997 Witten (im Rahmen der Wittener Tage für neue Kammermusik), Sprecher: Hannes Hellmann, Zuspielband mit der Stimme von Marianne Hoppe

Erstsendung des Radiomitschnitts: WDR 3, 23.6.1997

Weitere Aufführungen

17.2.2006 Austrian Cultural Forum, New York, ML: Michel Galante

24.9.2007 LiteraturHaus, Kopenhagen, ML: Jesper Egelund (Gruppe FIGURA) (zusammen mit Niels Rønsholdts Triumph) 

Szenische Fassung

Unter Verwendung des Zuspielbandes mit der Stimme Marianne Hoppes wurde Elfi und Andi auch szenisch aufgeführt:

UA | 3.10.1997 Podewil, Berlin (im Rahmen von überGrenzen 97), I: Markus Kupferblum, ML: Roland Kluttnig, Ausstattung: Lisa D., Schauspieler: Nino Sandow (zusammen mit Neuwirths Aufenthalt)

Weitere Szenische Fassungen:

17.4.1999 theater erlangen (als Teil des Abends offen, halb zu, zu), I: Winni Victor, ML: Franz Killer, SchauspielerInnen: Uwe Volkert, Balbina Brauel (zusammen mit Neuwirths Die Schamlosen und Aufenthalt)


Elfi und Andi war ein Auftragswerk des Westdeutschen Rundfunks Köln. Zwei reale Fälle bilden die Grundlage der beiden Monologe Jelineks: der Fall der „Schwarzen Witwe“ Elfriede Blauensteiner, die 1997 für einen und in der Folge für zwei weitere Morde an älteren Personen, an deren Geld sie mittels Kontaktanzeigen zu gelangen versuchte, schuldig gesprochen wurde, und der Fall des Bodybuilders Andreas Münzer, der 1996 an den Folgen massiven Dopings, insbesondere durch Anabolika, starb. Der Monolog der Witwe, deren „Sport“ (*Sport) das Töten (*Tod) anderer *Körper ist (*Gewalt), und der des jungen Mannes, der, um Sportler zu werden, seinen eigenen Körper aufbauen will und ihn zugleich abbaut, laufen in Neuwirths Komposition über- und nebeneinander, werden parallel gesetzt und enggeführt.

Neuwirth erweiterte in der Folge Elfi und Andi zum Hörstück Todesraten (1997). 

 

Jelineks Essay Death of a not-for-ladies’ man (1996)

Jelineks Essay o. T. (über Elfi und Andi) (1997)

Jelineks Essays über Olga Neuwirth 

 

In Elfi und Andi kommen zwei Textflächen überein, sich miteinander in die Aufmerksamkeit des Hörers zu drängen, wobei sie fast die Tür aus den Angeln reißen, weil sie eben beide gleichzeitig hindurch wollen. Einmal die alte Frau: Mörderin, Hoffnung der Männer. Eine alte Frau, die Annoncen aufgibt, in denen sie alleinstehende ältere Männer ohne Anhang sucht. Die bringt sie dann um, um sie zu beerben. Sie betreibt das Töten als Sport, indem sie, anstatt sich selber gefälligst anzustrengen, gefällig aussieht und in anderen, schon verfallenen Körpern wütet. Ihr Sport ist also das Töten. Der junge Mann, Andi, ist einer, der den Schritt in den fremden Körper nicht getan hat. Er tollt dafür umso unbekümmerter im eigenen herum, stopft sich mit bunten Pillen voll, nur um selbst einen Körper wie sein großes Vorbild Arnie zu errichten. Er möchte sich selbst gebären, Fleisch an sich anbauen, doch, indem er seine Muskeln aufbaut, baut er sich innerlich vollkommen ab. Sport, oh, wie trügerisch! Da glaubt man, sich aufbauen zu können, und in Wirklichkeit baut man sich ab. Man darf eben nicht gegen die Natur vorgehen und dabei eine neue Natur schaffen wollen. In der Technik gilt nur als anwesend, was vorauszuberechnen ist. Die beiden Protagonisten haben mit sich der eine, mit anderen die andere, gespielt. Das kann schiefgehen. Nur das zählt, was ist. Die beiden haben weggeräumt, was ist, der eine sich, die andere andere. Was ist nun zu behalten von den beiden? Die Gerichtsmediziner haben das Wort. Sie untersuchen den einen als sein eigenes Opfer, dann untersuchen sie die Opfer der anderen, der Frau.

 

 


Elfriede Jelinek: o. T. In: Programmbuch der Wittener Tage für neue Kammermusik 1997, S. 69.


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