MUSIKALITÄT

 

»Musikalität« impliziert unterschiedliche Bedeutungsmöglichkeiten und Definitionsversuche. Dabei hängt die Bedeutung dieses Terminus vom Kontext seines Gebrauchs ab. [1] Die »musikalischen« Elemente der Sprache werden in zwei unterschiedlichen Dimensionen sichtbar: in ihrer räumlichen sowie in ihrer zeitlichen Dimension. Räumlich lassen sie sich über struktural beschreibbare Sprachmuster in Form von klanglich-rhetorischen Stilmitteln darstellen. Musikalität kann somit über den semiotischen Aspekt der Sprache durch ihr Zeichensystem sichtbar gemacht werden. Die zeitliche Dimension der Sprache verbindet die Literatur schließlich mit der Musik. Als sprachliches Schallereignis realisiert sie sich in zeitlicher Abfolge und es bilden sich somit »musikalische« Elemente in Form von Sprachklang heraus. Sprache bzw. Literatur und Musik lassen sich also durch ihre temporalen, dynamischen und auditorischen Charakteristika vergleichen, die sich in ihrer räumlichen Dimension durch verschiedene Zeichensysteme ausdrücken. [2]

Der Versuch, Musikalität in der Literatur Elfriede Jelineks festzumachen, bewegt sich jedoch in einem interdisziplinären Grenzgebiet, in dem sich die Verwendung musikalischer Analysemethoden und Begriffe als schwierig und fragwürdig erweist. Denn Sprache und Musik sind keineswegs gleichzusetzende Medien. [3] Vielmehr beziehen sie sich aufeinander, imitieren sich und gehen enge Verbindungen miteinander ein, ohne jedoch dabei völlig in das andere Medium überzugehen. In Bezug auf Elfriede Jelineks Werk wird besonders in Hinblick auf ihr Schreibverfahren von Musikalität gesprochen. Dieser Bereich des Portals beschäftigt sich demnach mit Elfriede Jelineks Textstrukturen, die bereits das Nobelpreiskomitee als „[...] musikalischen Fluß von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen“ [4], beschrieben hat.

 


[1] Vgl. Riedel, Sophie: Musikalität. Ein philosophischer Exkurs über Ursprung und Herkunft. Wien: Univ. Dipl. 2010, S. 15f.

[2] Vgl. Brown, Calvin S.: Theoretische Grundlagen zum Studium der Wechselverhältnisse zwischen Literatur und Musik. In: Scher, Steven Paul (Hg.): Literatur und Musik. Berlin: E. Schmidt Verlag 1984, S. 28-39, S. 30.

[3] Vgl. Janke, Pia: Jelinek und die Musik. in: Müller, Sabine/ Theodorsen, Cahtrine (Hg.): Elfriede Jelinek: Tradition, Politik und Zitat. Wien: Praesens Verlag 2008 (Diskurse. Kontexte. Impulse. Publikationen des Elfriede Jelinek Forschungszentrums, Bd. 2), S. 271-285, S. 272.


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