Die "existenzielle Erfahrung der Endlichkeit"

Zur Uraufführung von Jelineks Winterreise

Gespräche mit Julia Lochte und Johan Simons, moderiert von Christian Schenkermayr

 

Christian Schenkermayr: Herr Simons, Sie haben mehrfach betont, dass Sie in Ihren Arbeiten die Grenzen des konventionellen Theaters zu sprengen versuchen. Das passt gut zu Elfriede Jelineks theaterästhetischem Ansatz und ihrem Umgang mit Sprache. Winterreise ist Ihre zweite Jelinek-Inszenierung nach  Die Kontrakte des Kaufmanns. Was interessiert Sie an der ästhetischen und inhaltlichen

Johan Simons: Das ist von Text zu Text verschieden. Jelineks Winterreise ist ein Die Klavierspielerin erinnert. Man merkt,

selbst am Klavier begleitet hat. Das Besondere an Jelineks Texten ist, dass sich aus der Arbeit daran sehr viele unterschiedliche Fragen ergeben. Eine der ersten Fragen, die sich - Textumfang von Winterreise beträgt ca. - Bei vielen Stücken anderer Schriftsteller, Problem existiert bei Jelinek nicht. Jelineks Schreibweise ist unendlich demokratisch. Sie lässt den Künstlern völlig freie Hand bei der Umsetzung ihrer Texte. Das finde ich sehr schön. Außerdem ist ihre Schreibweise stark vom Strom ihrer Gedanken geprägt. Ich habe folgendes Bild von der Autorin: Sie sitzt vor ihrem Computer, nimmt über diesen die Welt wahr und beginnt zu schreiben. Dabei schreibt sie sowohl aus ihrer Wahrnehmung als auch aus ihrem Herzen heraus. Ich stelle bei ihr zwei Schreibbewegungen fest: eine Bewegung der Welt gegenüber sowie eine Bewegung, in der sie das, was sie von der Welt wahrnimmt, auf ihre eigene Situation projiziert und darüber schreibt.

Christian Schenkermayr: Sie haben erwähnt, dass in Winterreise viel Persönliches vorkommt. bei der Lektüre fällt mir vor allem die häufige Verwendung des Prnomens „Ich“ auf. Aber lässt sich angesichts der Komplexität und Vielschichtigkeit des Textes das Persönliche weiterlesen

 

Christian Schenkermayr: Studium der Germanistik an der Universität Wien. Seit 2004 Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums. Mitarbeit an zahlreichen Publikationen über die Autorin. 2008-12 Universitätsassistent i.A. an der Universität Wien. Gemeinsam mit Peter Clar Autor von Theatrale Grenzgänge. Elfriede Jelineks Theatertexte in Europa (2008); Mitherausgeber von „Die endlose Unschuldigkeit.“ Elfriede Jelineks „Rechnitz (Der Würgeengel)“ (2010). 


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