Elfriede Jelineks Leidenschaft zu Franz Schubert und das daraus entstandene Theaterstück Winterreise

von Sabine Schrammel

 

Im Jahr 1824 veröffentlichte Wilhelm Müller den Gedichtzyklus Winterreise, bestehend aus vierundzwanzig Gedichten, die von der Wanderung eines lyrischen Ichs durch die einsame Winterlandschaft erzählen. Schon drei Jahre darauf komponierte Franz Schubert einen Liederzyklus, welcher auf Müllers Gedichten basierte und diese mit Musik kombinierte. Fast zweihundert Jahre später, im Jahr 2011, veröffentlichte die Autorin Elfriede Jelinek einen Theatertext mit dem Titel Winterreise, in dem sich verschiedene sprechende Stimmen mit Thematiken wie Einsamkeit, Identitätskonflikten und dem Dasein als Ausgestoßene/r auseinandersetzen.

Über Jelineks Winterreise wurde bereits einiges gesagt und geschrieben, beispielsweise, dass das Stück „eines von Jelineks persönlichsten und anrührendsten Werken überhaupt“ (WI, Umschlagtext) sei, in dem sie „radikal wie in keinem anderen Stück zuvor [...] persönliche Bilanz [zieht]“. Der Inhalt von Jelineks Theatertext wurde beschrieben als „Stationen der eigenen Biografie: ihrem in der Psychiatrie gestorbenen Vater, der schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter und schließlich auch dem eigenen, schmerzhaft erlebten Ausgesetztsein als Autorin. In der vorliegenden Arbeit sollen jedoch keine persönlichen oder biographischen Deutungen vorgenommen werden, sondern von Interesse ist ein ganz anderer Aspekt der Winterreise. Diese soll im Kontext des Zyklus von Müller und Schubert betrachtet werden, da jener als Grundlage für die Analyse des Theatertexts dient und in eine ernsthafte und vollständige Untersuchung miteinbezogen werden muss. Jelineks Winterreise soll im Zusammenhang mit Müllers Gedichtzyklus und Schuberts Komposition betrachtet werden, um ein tieferes Verständnis dafür zu erlangen, welches ohne Kenntnis der Prä- und Kontexte nicht möglich wäre. Dass zwischen diesen drei Werken eine Verbindungen besteht, zeigt schon die Betrachtung der Titel, doch wie eng jene Verflechtung zwischen dem lyrischen, dem musikalischen und dem dramatischen Werk ist, soll diese Arbeit erläutern weiterlesen

 

Sabine Schrammel: Geboren 1986 in Zwettl/NÖ, Handelsakademie und vier Jahre Kundenberaterin bei der Sparkasse Waldviertel, danach Studium Lehramt Germanistik, Anglistik und Geographie an der Universität Wien, Diplomarbeit Anglistik zum Thema "The translation of Jane Austen's 'Pride and Prejudice' into German" und Diplomarbeit Geographie "Theorie und Praxis von Frei- und Projektarbeit im Geographieunterricht am Beispiel eines Gymnasiums in Oberhausen/Deutschland", seit 2014 AHS-Lehrerin für Deutsch, Englisch und Geographie am Bundesrealgymnasium Krems an der Donau. 


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