Ikarus

Komposition / Bruitage | Josef Klammer (2006)

Abdrucke des Librettos

ERSTDRUCK:

Ikarus. Ein höheres Wesen
. In: manuskripte 159 (2003), S. 5-7.
WEITERER ABDRUCK:

elfriedejelinek.com/fikarus.htm (20.6.2017), datiert mit 28.12.2002 (= Elfriede Jelineks Website, Rubriken: Archiv 2002, Vermischtes)


Aufführungen

UA
 | 22.6.2006 Festspielhaus St. Pölten (im Rahmen von Österreich tanzt), Konzept und Choreographie: Violanta de Raulino
WEITERE INSZENIERUNG (ALS SPRECHTEXT):

13.6.2015 Stadttheater Bremerhaven, I: Tim Egloff (im Rahmen von 7 Todsünden in Bremerhaven)


Jelinek schrieb den Text Ikarus. Ein höheres Wesen für die Choreographin Violanta de Raulino. Das Ballett wurde 2006 in der von Bernd Roger Bienert kuratierten Reihe Österreich tanzt des Festspielhauses St. Pölten uraufgeführt. Anregungen für Jelineks Text waren Familiengeschichten de Raulinos über ihren Stiefgroßvater, den im Nationalsozialismus tätigen Flugzeugkonstrukteur Willy Messerschmitt. Der Text, ohne Aufteilung auf SprecherInnen verfasst, ist eine weitere Auseinandersetzung der Autorin mit der Dialektik von Natur und Technik wie auch mit der Selbstgewissheit und Hybris junger Männer, die sich im Krieg in die Lüfte erheben und abstürzen.
Das Hörspiel Ikarus, ein höheres Wesen von Josef Klammer entstand auf der Grundlage von Jelineks Text zu einer Zeit, in der die Realisierung als Tanztheater noch ungeklärt war. Für das Tanztheater bearbeitete und erweiterte Josef Klammer seine Hörspiel-Komposition / -Bruitage mit Jelineks Stimme. Die Uraufführung im Festspielhaus St. Pölten war die Kurzversion einer ursprünglich geplanten größeren Produktion.


E. Jelineks Text „Ikarus. Ein höheres Wesen“ vergegenwärtigt uns die Zwiespältigkeit und auch die Widersprüchlichkeit, in die der Mensch als ein Wesen gestellt ist, das zwar die Möglichkeit besitzt, an der metaphysischen Welt teil zu haben, aber die Fesseln der physischen Gebundenheit nicht abstreifen kann.
An diesem Moment kommt die Technik ins Spiel, die – um mit Peter Sloterdijk zu sprechen – da beginnt, wo der Mensch begonnen hat, das Wünschen zu lernen.
Ich denke, am Thema Fliegen kann man diesen Problemkreis, in dem sich der Mensch schon seit Urzeiten bewegt, am deutlichsten festmachen.
Bei Ikarus geht es auch um Ungehorsam, d.h. den Anspruch auf Selbsterfahrung – und die kann man bekanntlicherweise nur dann machen, wenn man an Grenzen stößt.
Es geht ebenso um das Verlassen der Geburtsstätte (Geia – Erde – Labyrinth) – um das Entrinnen aus dem Labyrinth, welches im Mythos für die Unergründlichkeit des weiblichen Prinzips steht.
Daedalus, der Vater, der geniale Erfinder und Erbauer des Labyrinths, kennt dessen Prinzipien… und kommt heil an. Er setzt seine Reise mit dem Schiff fort.
1. Selbsterfahrung – Selbsterfindung
2. Vater: Baumeister, Ingenieur, Lehrer
Sohn: unerfahren, ungehorsam, leidenschaftlich
3. Verweigerung von Verantwortung
4. Zweifel am Gelingen gegenüber überheblicher Selbstüberzeugung
5. Selbstherstellung
6. Wut auf die Elemente, daß sie nicht so wollen wie er
„Überall die blöden Federn“
7. Opfer – Täter

Violanta de Raulino: Ikarus. Originalbeitrag.


ZITIERWEISE
N. N.: Ikarus. www.elfriede-jelinek-forschungszentrum.com/wissenschaftsportale/musik/libretti/ikarus/ (Datum der Einsichtnahme) (= Elfriede Jelinek und die Musik. Intermediales Wissenschaftsportal des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums).

aus: Janke, Pia: Elfriede Jelinek. Werk und Rezeption. Wien: Praesens Verlag 2014 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE. Publikationen des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums 10), S. 273-274.


Elfriede Jelinek-
Forschungszentrum

Universität Wien
Universitätsring 1
A-1010 Wien | Austria
Tel: +43 664 1217525
Fax: +43 1 4277 8 42125
E-Mail