Die Ballade von Villon und seiner dicken Margot
(1966)

Textgrundlage
Pauls Zechs Die Ballade von Villon und seiner Margot, einer Neudichtung im Stile François Villons, die 1952 im Buch François Villon: Die Lasterhaften Lieder im Greiffenverlag erschien.

Musikalische Besetzung
Singstimme (Tenor), Cembalo.

Abbildung der ersten Seite des Autographs
In: Janke, Pia (Hg.): Elfriede Jelinek: „ICH WILL KEIN THEATER“. Mediale Überschreitungen. Wien: Präsensverlag 2007 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE. Publikationen des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums 3), S. 381.

Aufführungen
UA | 30.4.1991 im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses (im Rahmen der Langen Nacht der neuen Klänge IV der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik). Interpreten: Manfred Equiluz (Tenor), Christian Ofenbauer (Cembalo); bei diesem Konzert wurde auch Jelineks Lied meine liebe uraufgeführt. Die beiden Lieder wurden vom ORF mitgeschnitten.


Jelinek komponierte Paul Zechs Neudichtung aus dem Jahr 1931, die in vier Strophen und ein Anhängsel zur freundlichen Aufmunterung gegliedert ist, mit minimalen sprachlichen Änderungen. Auf der ersten, sonst leeren Seite der Notenblätter vermerkte Jelinek „Kennwort: Villon“, als Vortragsbezeichnung stellte sie dem Lied „sehr frei“ voran.
Im Lied beschreibt ein männliches Ich sein Leben mit einer Prostituierten, die mit „Offizieren und Kammerherren“ verkehrt und den Lebensunterhalt für sich und ihn verdient. Er berichtet von Streit und Versöhnung und von der Aufregung der Gesellschaft über seine Beziehung. Jede Strophe endet mit dem Refrain „in dem Kabuff, in dem wir beide wohnen“.
Das Lied wurde 1991 zusammen mit Jelineks Lied meine liebe erstmals öffentlich präsentiert, im Andenken an den am 21.3.1991 verstorbenen Komponisten Wilhelm Zobl.
Komponiert für Tenor und Cembalo, greift das Lied die Tradition des „Hurenliedes“ auf. Kompositorisch ist es dem Melodram nahe: die Singstimme hat rezitativische Ansätze, das Cembalo ahmt das Zupfen einer Klampfe nach. Musikalisch steht es in der Tradition von Hanns Eisler, die zu Wilhelm Zobl führt, mit dem Jelinek in den 1960er Jahren eng befreundet war.


Da regen sich die Menschen auf, weil ich
mit einem Mädchen gehe, das sich vom Strich
ernährt und meine Wenigkeit dazu.
Ich aber hab die Kleine doch so schrecklich gern,
ich bürste ihr die Kleider, putz ihr auch die Schuh,
damit die Offiziers und Kammerherrn
sich wie im Himmel fühlen
in dem Kabuff, in dem wir beide wohnen.

aus: Elfriede Jelinek:
Ballade von Villon und seiner dicken Margot. Autograph, 1966. (Erste Strophe)


ZITIERWEISE
N. N.: Die Ballade von Villon und seiner dicken Margot. www.elfriede-jelinek-forschungszentrum.com/wissenschaftsportale/musik/kompositionen/meine-liebe/ (Datum der Einsichtnahme) (= Elfriede Jelinek und die Musik. Intermediales Wissenschaftsportal des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums).

aus: Janke, Pia: Elfriede Jelinek. Werk und Rezeption. Wien: Praesens Verlag 2014 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE. Publikationen des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums 10), S. 255.


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