Anke Charton

Wimmelndes Er-Schaffen: Musiktheater „Schöpfung“

Ob Komik im Musiktheater subversive Potenziale entfalten kann, hängt von der jeweiligen Relation dieser weitreichenden und interdisziplinären Begrifflichkeiten ab.

Gerade, wenn es um Musiktheater geht, impliziert Subversion generell bereits eine Haltung, aus der sich Komik ergibt – indem nämlich eine Position des beiläufigen Hinterfragens eingenommen wird gegenüber einem Kanon, der einen bestimmten Habitus mit sich bringt, der als überwiegend affirmativ institutionalisiert worden ist. Im Fall von Elfriede Jelineks und Olga Neuwirths Schöpfung (2010) nehmen zwei schreibende Frauen eine Position ein – die des Erschaffens –, die erst in der Kontrastierung mit dem Kanon dessen scheinbar universales Narrativ als exklusiv entlarvt.

Die Art von Komik, die hier als subversive fassbar, ist eine Habitus-kommentierende: Der Witz ergibt sich daraus, dass wir im bloßen Nebeneinanderstellen und Gegenüberstellen – und damit in einer eigenen kognitiven Leistung, die Vorwissen abruft und in Bezug setzt – eine Position als in ihrer Situiertheit sichtbar machen und damit entlarven können.

Aber Komik und Musiktheater funktioniert als Relation auch bereits auf einer Ebene, die kognitiv nur bedingt zu fassen ist und die nicht ansetzt beim Verkennen und Vergleichen von Mustern. Sie führt zurück zu der Frage, wie wir Musiktheater begreifen: als eine Theaterform, die Musik als primäre Vermittlungsform verwendet, oder als ein Theater, das von einem gewachsenen Nimbus als Musiktheater ausgeht. Dieser Nimbus impliziert eine Fallhöhe – als Fallhöhe eines hegemonial situierten Genres – die für subversive Komik genutzt werden kann, gerade wenn es um Musiktheater in institutionalisierten, subventionierten Zusammenhängen geht.

Anders gestaltet sich die Frage in Bezug auf Musiktheater-Komik, die sich auf einer Ebene musikalischer Rhythmisierung abspielt Was passiert, wenn beispielsweise aus dem  kommentierenden Gestus der sogenannten Commedia dell’Arte heraus eine Figur wie Demo in Cavallis Giasone (1649) vom Stottern ins Singen kommt und Stottern als Singen, Singen als Stottern, im wahrsten Sinne am Leibe trägt? weiterlesen

Vortrag gehalten am 23.11.2017 in der Österreichischen Gesellschaft für Musik im Rahmen des Interdisziplinären Symposiums "Das Lachen ist der Ausnahmezustand" Komik und Subversion im Musiktheater.


 

Anke Charton Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik in Leipzig, Bologna und Berkeley. Promotion zu Geschlechterrollen in der Oper (prima donna, primo uomo, musico. Leipzig 2012). Forschungsaufenthalte in Spanien und den USA; derzeit Universitätsassistentin am Institut am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte in Musiktheater und Gesangsgeschichte, Theatergeschichte der Frühen Neuzeit sowie Theater/Anthropologie.


ZITIERWEISE
Charton, Anke: Wimmelndes Er-Schaffen: Musiktheater „Schöpfung“. http://www.elfriede-jelinek-forschungszentrum.com/wissenschaftsportale/musik/intermediale-arbeiten/die-schoepfung/anke-charton/ (Datum der Einsichtnahme) (= Elfriede Jelinek und die Musik. Intermediales Wissenschaftsportal des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums).


   

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